Ein Leitfaden für Händler zur erfolgreichen Implementierung eines Streckenhandelsmodells (Dropship)

In der gegenwärtigen Handelslandschaft können auf Dauer nur die kreativsten Händler überleben, die in höchstem Maße kundenzentriert sind. Eine wachsende Anzahl an Händlern setzt bei der Auslieferung von Bestellungen auf den sogenannten Streckenhandel (Dropship), bei dem der Hersteller die Waren direkt an den Kunden liefert. Händler können ihr Produktsortiment rasch ausbauen, indem sie einen rein virtuellen Bestand aufbauen. Es entfällt die Notwendigkeit Produkte in einem eigenen Lager vorhalten zu müssen, da die Hersteller in die Lage versetzt werden, die Bestellungen im Namen des Händlers zu liefern. Branding und Kundenerlebnis erscheinen dann so, als ob die Bestellung direkt vom Depot des Händlers ausgeführt worden wären.

In der Theorie scheint der Streckenhandel (Dropshipping) eine narrensichere Erfüllungsmethode für Händler zu sein. In der Praxis aber, wenn Auslieferungen verspätet ankommen, anders als beschrieben oder nicht ordnungsgemäß verpackt sind, richtet sich das negative Kundenfeedback direkt gegen den Händler. Der Händler macht sich zurecht Sorgen, dass er die Kontrolle über den Prozess der Direktlieferung vom Hersteller zum Kunden verlieren könnte. Umgekehrt haben Lieferanten Schwierigkeiten beim Übergang von der üblichen Lieferung großer Mengen an einzelne Läden oder Distributionszentren auf die Auslieferung von Einzelaufträgen an tausende von individuellen Kunden. Diese Hürden können zu einem großen Hemmschuh für den Lieferantenanbindungsprozess im Streckenhandel werden.

Soll der moderne Unternehmensstreckenhandel zum Erfolgsmodell werden, ist eine gute Vorbereitung und Planung unerlässlich. Im Folgenden wird erläutert, wie der Streckenhandel (Dropshipping) in Ihrem Unternehmen zu einem Erfolg werden kann.

1. Das gegenwärtige System überprüfen

Soll Ihrer vorhandenen Lieferkette eine gänzlich neue Erfüllungsmethode hinzugefügt werden, muss die Infrastruktur auch in der Lage sein, eine Reihe anderer Prozesse abzuwickeln. Bewerten Sie Ihre gegenwärtigen Systeme und IT-Infrastruktur, um Folgendes zu ermitteln:

  • Wie werden Bestellungen und Bestand gemanagt? Wie gut wird Ihre gegenwärtige Strategie mit dem zusätzlichen Streckenhandel (Dropship) funktionieren?
  • Wie einfach oder schwierig ist ihr Anbindungsprogramm? Wie wird es sich nach der Implementierung eines Streckenhandelsmodells (Dropship) verändern?
  • Sind Ihre ERP- und/oder Lagerhaltungssysteme in der Lage, eine andere Erfüllungsmethode abzuwickeln? 
  • Ist Ihre EDI-Lösung skalierbar?

Sobald Sie diese Fragen beantwortet haben, wissen Sie besser über die Bereiche Bescheid, die verbessert oder ersetzt werden müssen, um zusätzlich den Streckenhandel (Dropship) bewältigen zu können.

2. EDI in das ERP- bzw. Buchführungssystem integrieren

Nach der Bestandsaufnahme Ihrer Systeme und nach den notwendigen Updates, sollten Sie in Betracht ziehen, die Daten der Lieferkette per EDI in Ihre ERP- bzw. Buchführungssystem zu integrieren. Ein diesbezüglicher Mangel bei der Systemintegration wird besonders im Streckenhandels-Erfüllungsmodell problematisch, da bei einer großen Anzahl an Bestellungen, die von einer Vielzahl an Lieferanten bezogen und an verschiedene geografische Standorte verschickt werden, die Buchführung und die Nachverfolgung von Bestellungen besonders kritisch sind.

So muss zum Beispiel ein Händler mit 100 Lieferanten von Bulkware und 100 Streckenhandels-Herstellern täglich mit hunderten von eingehenden EDI-Transaktionsdokumenten rechnen. Händler, die keine integrierten Systeme haben, müssen üblicherweise Personal einstellen, das zunächst die EDI-Daten manuell eingeben und dann auch noch die Verfolgungsinformationen des Frachtunternehmens in das ERP einkopieren muss. Dabei sind das Fehlerrisiko und der Bedarf an Arbeitskräften, die für die Verarbeitung all dieser Informationen benötigt werden, hoch. Nach einer EDI-Integration in das ERP- bzw. Buchführungssystem werden die meisten dieser Prozesse automatisch ausgeführt und die Notwendigkeit für manuelle Eingaben entfällt. Diese führt letztlich zu bedeutenden Kosteneinsparungen im Bereich Personal und zu einer erhöhten Kundenzufriedenheit.

3. Die Hersteller im Streckenhandel klug auswählen

Bei der Auswahl eines Herstellers, der als Partner für den Streckenhandel (Dropship) in Frage kommt, müssen Sie sicherstellen, dass dieser auch die Auslieferung von Einzelposten entsprechend Ihrer Bedürfnisse leisten kann. Hersteller müssen einzelne Artikel im Depot bzw. Auftragsabwicklungszentrum auswählen und Ihnen die Bestände in nahezu Echtzeit anzeigen können, damit es nicht zu Lieferengpässen kommen kann. Hersteller arbeiten dabei oft mit einem externen Logistikanbieter zusammen, der solche Anforderungen erfüllen kann. Hersteller tendieren auch dazu, den Zeit- und Kostenaufwand zu unterschätzen, der mit dem Einzelposten-Auslieferungsmodell einhergeht. Sie sollten also bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Ihnen einen Streckenhandel anbieten, durchaus kritisch sein.

Händler, die mit hunderten oder gar tausenden von Herstellern zusammenarbeiten, müssen anerkennen, dass nicht all diese Hersteller für den Streckenhandel (Dropship) geeignet sind. Um das von Ihnen angestrebte Kundenerlebnis aufrechtzuerhalten, müssen Sie die Fähigkeiten jedes Herstellers, einschließlich seiner Eignung zur Technologieintegration, seiner organisatorischen Reife, seines EDI-Konformitätsstatus und der Agilität seiner Lieferkette sorgfältig beurteilen.

4. Transparenz und Zusammenarbeit priorisieren

Die Grundlage einer erfolgreichen Partnerschaft im Streckenhandel ist Transparenz, insbesondere dann, wenn es um Bestände geht. Ein Hersteller muss seinem Händler eine Warenbestandsübersicht in Echtzeit bieten können, um Lieferengpässe bei Onlinebestellungen, Auftragsrückstände, versehentliches Verkaufen von bereits ausverkauften Produkten oder fehlende Umsätze aufgrund von fälschlich als ausverkauft gelisteten Produkten vermeiden zu können. Hersteller hingegen profitieren sehr von Daten zur Bedarfsvorhersage und von E-Commerce-Absatzprognosen. Manche Händler zögern allerdings, solche Prognosen regelmäßig zur Verfügung zu stellen. Ein solcher Mangel an Transparenz erzeugt Spannungen und unterminiert letztlich das gemeinsame Ziel einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Streckenhandel (Dropship).

Im Gegensatz zu anderen Erfüllungsmodellen, verändert sich beim Streckenhandel die Machtdynamik zwischen Hersteller und Händler. Der Händler profitiert zwar davon, dass er keine zusätzlichen Bestände kaufen muss, büßt aber einen großen Teil des Einflusses ein, den er normalerweise auf das Verhalten des Herstellers haben würde. Dafür, dass er die Verkaufskanäle des Händlers nutzt, geht der Hersteller ein signifikant höheres betriebliches und finanzielles Risiko ein. Möchte ein Händler, dass der Hersteller in operative Kosten investiert, um den Konsumenten direkt beliefern zu können, ist der Hersteller möglicherweise bei anderen Forderungen weniger nachgiebig. Deswegen ist es entscheidend, dass Hersteller und Händler in enger Partnerschaft zusammenarbeiten.

5. Die richtigen Tools für den Streckenhandel nutzen

Solange Händler ihr Bestandssortiment erhöhen, die Kundenzufriedenheit steigern und die Kosten weiter senken wollen, wird sich der Trend zum Streckenhandel (Dropshipping) weiter verstärken. Um diese Auftragsabwicklungsmethode nutzen zu können, müssen Sie in reibungslos funktionierende Streckenhandelssysteme investieren, die eine einfache Anbindung sowie Echtzeit-Bestandsprüfungen bieten. Dazu sollte es idealerweise genügen, die unterschiedlichen Einzelsysteme (EDI, ERP, OMS, 3PL), die Ihre Lieferkette ausmachen, so zu integrieren, dass Sie den Bestellvorgang, die Bestandsverwaltung, den Versand und die Kommunikationsprozesse automatisieren und vereinfachen können. Mit integrierten Systemen, starken Lieferantenbeziehungen und einer Ausrichtung auf enge Zusammenarbeit sind Sie für den erfolgreichen Streckenhandel gerüstet.

Um mehr über die Implikationen des Streckenhandels zu erfahren, empfehlen wir Ihnen unser On-Demand Webinar, Den „Sweetspot“ beim Streckenhandel treffen. Das Webinar wurde zusammen mit Prof. Zach Zacharia von der Lehigh University veranstaltet. Er beschreibt in einer aktuellen Studie, welchem Risiko und Wettbewerbsdruck Händler und Lieferanten gegenüberstehen, und welche Vorteile der Streckenhandel bringt. Außerdem werden Empfehlungen zum „Sweetspot“ des ROI im Streckenhandel gegeben.

On-Demand Webinar zum Thema: Den Sweetspot“ beim Streckenhandel treffen

 

 

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